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Moldau

Ein sommerlicher Kurz-Trip nach Tschechien

Das diesjährige Paddelziel stand lange Zeit nicht fest und wurde erst sehr kurzfristig entschieden. Entscheidungsgrundlage für uns war, dass wir noch ein weiteres Zweierkajak benötigten und dieses in Susice/Tschechien in gutem Gebrauchtzustand fanden.

So starten wir an einem Montag im August von Schwäbisch Hall über Nürnberg, Regensburg nach Bayrisch Eisenstein und weiter nach Susice (ca. 380 km von Schwäbisch Hall). Nachdem das Boot auf dem Dach ist geht es ca. 85 km nach Süden an den Lipno- oder Moldaustausee. Die Straße zum Stausee führt über weite Teile durch eine große Waldregion, fast das gesamte Westufer des Sees ist Nationalpark und nur wenig besiedelt. Am Ostufer des Sees finden sich zahlreiche Orte mit zumeist guter Infrastruktur, Campingplätzen, Bus- und Zugverkehr, Restaurants, Supermärkten und anderen Annehmlichkeiten.

Die Moldau (tschechisch: Vltava) wird hier bereits wenige Kilometer nach dem Zusammenfluss der Warmen und der Kalten Moldau auf einer Länge von 48 Kilometern aufgestaut. Es entsteht der Lipno-Stausee, der so heißt, weil man Ende der 1950er Jahre die Staumauer nahe dem damals kleinen Ort Lipno baute. Der Lipno-Stausee ist sehr bekannt und touristisch gut erschlossen. Im Sommer zieht es viele Wanderer, Badegäste und sonstige Wassersportler sowie Radfahrer an. Im Winter herrscht insbesondere in der Nähe des Ortes Lipno, nahe der Staumauer, reger Betrieb an den Skiliften und auf einem weitläufigen Loipennetz. Der Böhmerwald gilt als sehr schneesicher

Der Stausee, ca. 750 Meter ü.NN, präsentiert sich uns spiegelglatt, aber leider mit leichten Regenfällen. Wir stellen unser Zelt in Seenähe auf und begeben uns dann erst einmal zur Stärkung in ein Restaurant am Ort.

Am Dienstag werden, gleich nach dem Frühstück, die Kajaks mit dem Bootswagen zum Ufer gebracht und zu Wasser gelassen. Das Wasser ist herrlich klar und wir beobachten Haubentaucher, verschiedene Enten und über uns streiten (vermutete, nicht klar bestimmte) Fischadler. Die Kinder sind begeistert von den vielen Fischen, die unseren Paddelschlägen ausweichen. Wir paddeln in Richtung der Moldau-Mündung bei Nova Pec. Nova Pec erreichen wir nicht, da sich der Himmel bei einem Zwischenstopp an einem Spiel- und Grillplatz deutlich verdunkelt. Wir befürchten ein kräftiges Gewitter und brechen deshalb ab, kehren zum Campingplatz zurück. 

Das heftige Gewitter bleibt aus, es zieht Richtung Dreiländereck davon. Wir verbringen den späten Nachmittag mit einem Ausflug zur Kleinstadt Frymburk und fahren anschließend weiter in Richtung Staumauer. Es gefällt uns ausgesprochen gut hier, und wir bedauern, für Mittwochabend den Campingplatz in Cham beim dortigen Kanuclub reserviert zu haben. Von dort wollen wir am Donnerstag oder spätestens Freitag zu einer Tour auf dem Regen starten. Am Abend im Restaurant planen wir den nächsten Tag, und wir sind uns einig, dass wir nicht abreisen wollen, ohne noch ein Stück des Oberlaufes gepaddelt zu haben. Wir entscheiden uns für das kurze Stück zwischen Pecna und Nova Pec, ca. 10 Kilometer, welches landschaftlich sehr schön sein soll und auch von den örtlichen Kanu-Verleihern bedient wird.

Am nächsten Morgen wird das Zelt abgebaut, Auto fertig gepackt und die Boote aufs Dach geschnallt. Wir fahren nach Pecna. Die Bootseinsatzstelle befindet sich etwa zwei Kilometer vom Ort Pecna (Zufahrt direkt gegenüber dem Ortseingang von Pecna) entfernt an einer kleinen rostigen Stahlbrücke, die über die Moldau führt. Leider dürfen hier keine Fahrzeuge abgestellt werden, da Nationalparkgebiet. Auch am etwa einen Kilometer entfernten Bahnhof Pecna besteht keine Möglichkeit, ein Fahrzeug zu parken. So laden wir die Boote und benötigte Ausrüstung ab und fahren zum Ort Pecna zurück und parken dort. Für die zwei Kilometer Fußweg zurück zur Einsatzstelle fand sich schnell ein Verleiher.

Dann kann es endlich losgehen. Die Tour führt von der kleinen Brücke bis kurz nach der Mündung der Moldau in den Stausee. Das Wasser ist glasklar, aber leicht moorig braun. Es fließt munter und ohne Stromschnellen. Als wir starten sind wir fast allein auf diesem Abschnitt der Moldau, lediglich ein Canadier wird noch zu Wasser gelassen,  ein junges Paar mit tschechisch-italienischen Wurzeln wie wir später erfahren.

Der kleine Fluss präsentiert sich als wahres Kleinod, er sieht aus und fühlt sich an als sei man in einem abgelegenen Teil von Schweden unterwegs. Kaum zu glauben, dass die Straße nur etwa 2 - 3 Kilometer entfernt ist. Der Flusslauf, gesäumt von Sumpfwiesen geht langsam in urigen Tannenwald über. Große Farne und mächtige Moosdecken, viel Riesenschachtelhalm säumen das Ufer und immer wieder auch Pilze. Der Waldboden ist von Heidelbeerbüschen bedeckt. Hier und da begleiten uns Enten, Gebirgsstelzen; allerlei sonstige Waldvögel können beobachtet werden. Die hier vorkommenden Fischotter sehen wir leider nicht.    

An einer Sandbank unterhalb einiger Ferienhäuser, dort befindet sich auch ein Wanderrastplatz, landen wir an und stärken uns an den mitgebrachten Vorräten. Unsere Kinder Lars und Svea lassen sich die Gelegenheit nicht entgehen und nehmen ein erfrischendes Bad im glasklaren Wasser. Schwärme von Jungfischen schwimmen um die abgelegten Boote.

Nach dieser Pause und einem Austausch mit dem jungen Paar im Canadier fahren wir weiter in Richtung Nova Pec. Bevor die Moldau in den Stausee mündet, bildet sie ein kleines Delta mit zahlreichen Armen, grünen Inseln und Sandbänken. Am Ufer sehen wir hier und da kleine Häuschen die wohl vorwiegend von Anglern genutzt werden.

Die Straßenbrücke nach Nova Pec kommt in Sicht, die Aussatzstelle ist auf der rechten Seite hinter der Brücke bei einem kleinen Restaurant mit Biergarten. Schnell gelingt es mir, einen Verleiher anzusprechen, der mich zurück nach Pecna zum geparkten Auto bringt. Nach dem Verladen der Boote und der Ausrüstung fahren wir zurück nach Deutschland, dort wartet der Regen auf uns.

Fakten:

Fluss: Moldau (Tschechien)

Strecke: Pecna à Nova Pec

Länge: ca. 10 Kilometer

Einsatzstelle: Pecna (Zufahrt gegenüber Ortseinfahrt, ca. 2 km über befestigten Weg zur Stahlbrücke)

Ausbooten: Nova Pec bei der Straßenbrücke, hier auch Restaurant mit Biergarten

Entfernung von Schwäbisch Hall: ca. 400 Kilometer

Charakteristik: Wandertour, leicht, keine Stromschnellen oder Schwälle, vorwiegend durch Wald und Wiesen zum Mündungsdelta der Moldau in den Lipno-Stausee.

Beachten: Anlande- und Ausstiegsverbot im Bereich des Nationalparks (außer am einzigen Rastplatz)

Probleme: Parkverbot an der Einsatzstelle (wird kontrolliert und Strafzettel werden verteilt), daher parken nur bei Kanuverleiher im Ort Pecna (Ortseingang).

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