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Regen

Fünf Tage für vier Etappen

Die schöne Erfahrung vom Moldau-Stausee und der Kurzstrecke Pecna-Nova Pec noch in den Gliedern, haben wir uns auf den Weg zum Regen gemacht. Bereits von Schwäbisch Hall aus haben wir den Zeltplatz des Kanu Clubs Graf Luckner in Cham vorbestellt. Die Ankunft ist vollkommen unkompliziert, lediglich die Zufahrt zum Gelände durch eine Baustelle in der Nähe etwas beeinträchtigt. Wir melden uns beim Hüttenwart an und stellen unser Zelt auf. Die Kinder sind sofort am Wasser und fangen Kleinfische mit dem Netz und holen schließlich das Fernglas, um das gegenüberliegende Ufer des träge dahinfließenden Regens zu beobachten. „Papa, da sind Biber!“ ruft es dann auch schon bald, und tatsächlich tummeln sich nur etwa 30 Meter entfernt, direkt gegenüber dem Zeltplatz des KC Cham, zwei Biber am Ufer neben einem Baumrest. Wir beobachten die Tiere und machen bei einbrechender Dunkelheit noch ein paar zumeist unscharfe Fotos der Tiere.

Trotz der nahen Schnellstraße und Bahntrasse schlafen wir ausgezeichnet und lange. Nach einem kurzen Frühstück wird gepackt und wir fahren zum Blaibacher Stausee. Die Einsatzstelle befindet sich kurz hinter der Staumauer. Geparkt wird auf der Staumauer selbst und die Boote werden mit dem Bootswagen zur Einsatzstelle gebracht. Bei schönstem Sonnenschein starten wir unsere Tour nach Cham auf einem träge dahin fließenden Regen. Es geht vorbei an einem Campingplatz mit Kanu-Verleih und zwischen vielen großen Findlingen hindurch auf ziemlich klarem Wasser. Kurze Schwallstrecken sind eine willkommene Abwechslung. Trotz der vielen Boote, zumeist Kanadier, sehen wir bereits nach wenigen Kilometern unseren ersten Eisvogel und natürlich immer wieder viele Enten.

In Chamerau passieren wir ein breites Wehr mittels einer schönen Bootsrutsche und landen gleich danach an, um im schönen Biergarten mit Blick auf den Regen einen zünftigen Mittagstisch zu genießen. Nach der Stärkung tragen wir das Boot nochmals nach oben, um die schöne Bootsrutsche ein weiteres Mal zu durchfahren.

Wir fahren weiter nach Cham, wo wir unser Zelt und die übrige Ausrüstung zurück gelassen haben, um eine weitere Nacht beim netten KC Cham zu verbringen. Unsere Gepäckfahrt starten wir erst morgen.

Lars und Svea sind sofort nach dem Anlanden wieder auf ihrem Ausguck und beobachten den Biberbau auf der anderen Flussseite. Bereits wenige Minuten nach unserer Ankunft zeigt sich tatsächlich ein Biber. Wir sind begeistert und fotografieren erneut das normalerweise sehr scheue Tier.

Das Abendessen teilen wir mit einem jungen Pärchen, das wir gerade erst auf dem Fluss kennen gelernt haben. Die Zwei haben ein paar Grillsteaks übrig, wir die Kartoffeln und das Gemüse dazu.

Es ist Freitag, der 23.08., und wir starten nach einem ausgiebigen Frühstück und längerer Packaktion mit vollen Booten in Richtung Regensburg. Wir sind die letzten Paddler, die den Zeltplatz heute verlassen. Unser Ziel heißt Roding. Bereits nach wenigen hundert Metern bremst uns ein großes Wehr mit geschlossener Bootsgasse. Der Hüttenwart des KC Cham hat uns den Tipp gegeben, einfach übers Wehr drüber zu setzen, statt die Umtragestelle zu nutzen. Die vollen Boote sind zwar nur beschwerlich über die Wehrkrone zu heben, jedoch sind wir deutlich schneller, als mit der Umtragevariante. Kurz hinter Cham beginnt schon das Schutzgebiet, und es ist verboten außerhalb der offiziellen Bootswanderrastplätze an Land zu gehen. Ein alleinerziehender Vater mit einer Schar Kinder an Bord versucht, uns zu überholen, doch wir entscheiden das kleine Rennen schnell für uns. So können wir die Tierwelt am Regen genießen. Blicke auf Enten, Kanadagänse, Eisvögel und ein Silberreiher sind der Lohn. Immer wieder fahren wir an großflächigen Teichrosenfeldern vorbei. Hinter kleinen Inseln verstecken sich nicht zu befahrende Flachwasserzonen, Altarme und sonstige Renaturierungsflächen. Nach etwa 12 Kilometern endet die Schutzgebietszone, und wir können endlich wieder das Ufer betreten sowie eingesammelten Müll, insbesondere Bierflaschen, entsorgen.

Wir durchfahren mit unseren Kajaks mehrere Ortschaften, und schließlich erreichen wir Roding mit seiner weithin sichtbaren Kirche. Nun treffen wir auch 90 Prozent der Übernachtungsgäste von Cham wieder. Der Zeltplatz ist groß und über den Bootsausstieg gut zu erreichen. Wir finden problemlos einen Platz für unser Zelt. Nach dessen Aufbau gehen wir die kleine Stadt erkunden und Eis essen. Auch schauen wir uns die heftige zweifache 90°-Kehre gleich hinter der schönen stählernen Straßenbrücke an, die wir am folgenden Tag durchfahren müssen.

Zurück zu unserem Zelt lernen wir Lydia und Frank kennen. Sie sind mit einem Schlauchkanadier und zwei Hunden auf dem Regen unterwegs, haben viel Erfahrung mit Kanuwandern und schon mindestens drei Bootswanderführer für Polen verfasst. Wir sitzen am gemeinschaftlich errichteten Lagerfeuer und lassen den Tag ausklingen.

Die nächste Tagesetappe führt uns nach Nittenau. Wir starten um 10:00 Uhr mit gepackten Booten und fahren an dem schönen neu gestalteten Flussufer vorbei und unter der Stahlbrücke hindurch. Gleich dahinter macht der Flusslauf einen zweifachen 90°-Knick mit starker Strömung, den wir aber problemlos durchfahren. Leicht vorstellbar, dass hier unbedarfte Gelegenheitskanuten von der starken Strömung ins Ufer gedrückt oder gar zum Kentern gebracht werden.

Wir fahren auf einem ruhig dahin fließenden Regen durch Wiesen und an Wäldern vorbei, passieren Wehre und immer wieder auch beeindruckend große Wasserräder. Im seichten und klaren Wasser finden sich einige lebende Flussperlmuscheln, eine Rarität.

An einem breiten unfahrbaren Wehr müssen wir die Boote ein kurzes Stück über eine Wiese ziehen, mit Bootswagen aber kein Problem. Wir nutzen die Gelegenheit zu einer Pause und fahren schon bald weiter. Der Regen ist jetzt stärker von Wäldern gesäumt. Lars, unser Adlerauge sieht plötzlich eine winzige Bewegung viele Meter vor dem Kanadier. Wir können es kaum glauben als wir näher kommen, eine etwa 70 cm lange Ringelnatter durchschwimmt hier zielsicher den Fluss an einer etwa 50 Meter breiten Stelle. Woher weiß die Ringelnatter überhaupt vom anderen Ufer? Sehen diese Tiere so gut?

Kurz hinter dem Ort Kienleiten passieren wir ein Wehr, indem wir die Umfahrung nutzen. Nach Besichtigung des Objektes stellt dies kein Problem dar. Wir müssen zur Überwindung des Höhenunterschiedes vier kleine Becken durchfahren, welche über s-förmig angeordnete Durchbrüche zu befahren sind. Für unsere langen Boote bei der guten Strömung ein wenig tricky, aber zu schaffen. Zwei Kanadierbesatzungen beobachten uns neidvoll beim Durchfahren der Umfahrung, sie trauen sich nicht, umtragen lieber das Wehr mit ihren Booten.

Schließlich erreichen wir Nittenau und fahren unter einer Straßenbrücke und einer Fußgängerbrücke hindurch bis wir nach einer kleinen Schleife die Aussatzstelle in einer Flusskehre erreichen. Nittenau hat einen offiziellen Campingplatz, den Kanuten nutzen können. Der Zugang erfolgt über das Gelände des angegliederten Freibades. Der erforderliche Schlüssel muss am Eingang des Schwimmbades geholt werden.

Der Campingplatzbetreiber ist auch gleichzeitig der Bademeister. Der Campingplatz ist heute voll ausgebucht und so dürfen wir unser Zelt auf dem Freibadgelände aufschlagen. Im günstigen Übernachtungspreis ist der Eintritt ins Schwimmbad selbstverständlich eingeschlossen und unsere Kinder noch vor Zeltaufbau im angenehm warmen Wasser.

Breits auf dem Fluss haben wir von anderen Kanuten erfahren, dass heute in Nittenau ein „Kulinarisches Straßenfest“ stattfindet, welches wir uns nicht entgehen lassen sollen. Dieses erweist sich wirklich als guter Tipp, denn alle Gaststätten und Restaurants, Dönerbuden und Pizzerien haben heute Spezialitäten zu günstigen Preisen im Straßenverkauf. Das Stadtzentrum ist gesperrt und mit vielen Biertischgarnituren und Verkaufsständen ausgestattet.

In der Nacht beginnt es zu regnen und will auch am nächsten Tag nicht aufhören. Es ist jedoch ausreichend warm, um das Schwimmbad zu nutzen, ins Kino oder Cafe zu gehen. Wir machen einen Pausetag, gehen Essen, erkunden die Stadt etc.

Lydia und Frank brechen ihre Fahrt aus gesundheitlichen Gründen leider ab. Wir fahren aber weiter nach Ramspau. Die heutige Etappe führt uns an Burgen und kleinen Kirchen vorbei, fernab von Bundesstraßen. Der Regen macht wenige Kilometer hinter Nittenau einen deutlichen Schwenk zur Donau und Donaustadt Regensburg hin. Landschaftlich ist dieser Abschnitt einer der schönsten und abwechslungsreichsten. Bei Stefling erkunden wir die Durchfahrungsmöglichkeit eines sehr breiten Wehres. Dabei springt uns fast ein Mauswiesel ins Boot. In Panik durchschwimmt es geschickt auch stark strömende Abschnitte und flitzt über Stock und Stein bis es sich in Sicherheit wähnt. Die hier eingerichtete Umfahrungsmöglichkeit ist stark strömend aber verläuft bis auf die Einfahrt weitgehend gerade, also problemlos.

Auf dem folgenden Flussabschnitt finden sich mehrere kurze Schwallstrecken ohne besondere Anforderungen, auch liegen wieder gelegentlich große Findlinge im Wasser. Die Ufer sind fast ausnahmslos mit Wald bestanden und werden nur von kleinen, wenig befahrenen Straßen gesäumt. Viele Wanderwege durchziehen hier die Landschaft, und der Wirt einer Gaststätte am Regenknie betreibt extra einen kleinen Fährdienst mit einem hölzernen Stocherkahn, um beide Ufer bzw. den Wanderweg zu verbinden.

Nach einer weiteren Pause erreichen wir am frühen Abend Rampau. Der Zeltplatz für Wasserwanderer befindet sich am linken Flussufer, hier ist auch das Flussbad. Während Nicole mit den Kindern das Zelt aufbaut und einrichtet, trampe ich nach Regenstauf, um von dort mit dem Zug nach Cham zu fahren und unser Auto zu holen.

Erst spät in der Nacht bin ich wieder zurück in Ramspau, obwohl die Bahnverbindung gut war. Regen erschwerte die 80 Kilometer lange Fahrt durch die dunklen Wälder und über kleine Straßen.

Der nächste Tag beginnt mit einem ausgiebigen Frühstück mit frischen Brötchen und tollem Kaffee vom Kioskbetreiber und Zeltplatzverwalter. Anschließend bauen wir unser Zelt ab, verladen die Boote und das Gepäck und machen uns auf den Weg nach Schwandorf und zur Schwarzach. (Ralf)

Fakten:

Einfache Wanderfahrt (Zahmwasser) ohne besondere Ansprüche auf ruhigem, meist träge dahinfließendem Wasser. Kniffligste Stelle ist das Wehr hinter Roding (zweimal 90° Richtungsänderung mit starker Strömung).

Einsetzen:Start an der Staumauer des Blaibach Stausees (Großer Parkplatz). Mit Bootswagen das Boot unter der Brücke hindurch zur Einsatzstelle bringen (ca. 200m)

Etappen:

1.Tag Blaibacher See – Cham (22km)

2.Tag Cham – Roding (22km)

3.Tag Roding – Nittenau (23km)

4.Tag Nittenau (Pausetag)

5.Tag Nittenau – Ramspau (20km)

Parken: laibacher See Parkplatz an der Staumauer (Einsatzstelle) oder beim KC Graf Luckner in Cham

Aussetzen:   Ramspau (Zeltplatz) oder besser in Regenstauf für diejenigen, die nicht übernachten möchten. In Regenstauf gibt es eine gute Bahnverbindung über Schwandorf nach Cham zur Autorückholung. Alternativ kann auch weiter nach Regensburg (weitere 20km) gefahren werden.

Übernachtung:KC Cham Graf Luckner – Zeltplatz mit guten sanitären Einrichtungen, Roding – Städtischer Zeltplatz direkt am Wasser ebenfalls mit guten sanitären Anlagen in einem nahen Vereinsheim, Nittenau – Campingplatz am Freibad mit freiem Eintritt ins Freibad und Nutzung der sanitären Anlagen, Ramspau – Wasserwanderzeltplatz mit einfachen sanitären Anlagen (keine Dusche, nur Toiletten) und Kiosk.

Besonderheiten: ootsrutschen meist außer Betrieb, zwei Umfahrungen von Wehren, eine davon anspruchsvoll, da mehrere versetzt hintereinanderliegende Becken mit guter Strömung durchfahren werden müssen.

Literatur: „Bootswandern auf dem Regen“ mit guten Karten und Kurzbeschreibung des Wasserwanderwegs vom Blaibacher See bis Regensburg (107km). Er ist kostenlos erhältlich in der Tourist-Info, Landkreis Cham, Rachelstr. 6, 93413 Cham, Tel. 09971-78430.

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